„Gedächtnishilfen aus der Apotheke“
Am 2. September 2026 sprach Mag. pharm. Michaela Kittinger-Zöchling über „Gedächtnishilfen aus der Apotheke“.
Ein Schlüssel, der unauffindbar ist, ein vergessener Name oder Konzentrationsschwierigkeiten bei der Arbeit – mentale Hänger kennt fast jeder. Auf der Suche nach natürlichen Wegen, die Gehirnleistung zu steigern, stößt man auf viele pflanzliche Wirkstoffe.
Aber was können pflanzliche Wirkstoffe und wie wirken sie?
Pflanzliche Wirkstoffe, man nennt sie auch Nootropika, gewinnen als sanfte Unterstützung für das Gehirn immer mehr an Bedeutung. Sie fördern die Durchblutung im Gehirn, schützen die Nervenzellen vor oxidativem Stress und können die Konzentration sowie die Erinnerungsfähigkeit spürbar verbessern.
Welche pflanzlichen Arzneimittel fördern die Durchblutung im Gehirn?
Welche pflanzlichen Arzneimittel können die Durchblutung im Gehirn fördern und wie unterstützen sie damit das Gedächtnis?
Allen voran ist hier der Ginkgo (biloba) zu nennen. Der Extrakt aus den Blättern des Ginkgo-Baumes verbessert die Fließeigenschaften des Blutes und fördert die Mikrozirkulation im Gehirn, wodurch auch die kleinsten Blutgefäße besser erreicht und versorgt werden. Dadurch kommt mehr Sauerstoff in die Gehirnzellen und der Energiestoffwechsel wird angeregt. Der Ginkgo ist bereits lange auch als Arzneimittel zugelassen, was bedeutet, dass es sehr viele und gute Studien dazu gibt. Auch bei leichter Form von Alzheimer wird der Ginkgo angewendet.
Auch der Knoblauch wird seit Langem als Unterstützung für die Gedächtnisleistung angesehen. Er schützt die Gefäße vor Ablagerungen und unterstützt so einen gesunden, ungehinderten Blutfluss bis in die kleinsten Kapillaren. Außerdem schützt Knoblauch durch die Schwefelverbindungen und Antioxidantien auch vor Schäden durch oxidativen Stress und Entzündungen. Anerkannt ist seine Wirkung bei erhöhten Blutfettwerten und zur Vorbeugung von „Arterienverkalkung“ (Arteriosklerose).
Welche Pflanzenstoffe können Entzündungen im Gehirn lindern?
Kurkuma ist einer der wichtigsten pflanzlichen Entzündungshemmer. Der aktive Wirkstoff der Gelbwurz ist ein starkes Antioxidans. Curcumin kann die Blut-Hirn-Schranke passieren und hilft, entzündliche Prozesse im Gehirn einzudämmen.
Der Vitalpilz Hericium sei auch in dieser Gruppe zu nennen, dessen Inhaltsstoffe die Ausschüttung des Nervenwachstumsfaktors (NGF) stimulieren. Das fördert die Bildung und Reparatur von Gehirnzellen.
Adaptogene – was ist das und wie wirken sie auf das Gedächtnis?
Es gibt sogenannte Adaptogene. Was ist das und wie wirken sich diese auf das Gedächtnis aus?
Adaptogene sind Pflanzenstoffe, die allseitig den Gesundheitszustand verbessern, also allgemein kräftigend wirken und damit auch wesentlichen Einfluss auf das Gedächtnis haben. Allem voran helfen Adaptogene dem Körper (und dem Geist), besser mit Stress umzugehen – und Stress ist einer der größten Blockierer für ein gutes Gedächtnis.
Der bekannteste ist der Ginseng oder Panax Ginseng. Ginseng verbessert die Reaktionszeit und unterstützt die geistige Ausdauer bei komplexen Aufgaben.
Auch die Rosenwurz (Rhodiola rosea) ist ein Adaptogen. Sie erhöht die Widerstandskraft gegen mentalen Stress, bekämpft Müdigkeit und steigert die geistige Leistungsfähigkeit in Stressphasen.
Was ist mit Vitaminen, wie können diese dem Gedächtnis helfen?
Vor allem die B-Vitamine unterstützen das Nervensystem und den Energiestoffwechsel im Gehirn, aber auch die Bildung von Botenstoffen (Neurotransmitter) im Gehirn. Bei einem Mangel sinken die Gedächtnisleistung und steigt die Reizbarkeit. B12 ist zudem für den Aufbau der Schutzschicht der Nervenfasern zuständig.
Vitamine C und E sind wichtige Antioxidantien, daher schadet es oft nicht, mit einem Mix aus mehreren Vitaminen zu starten.
Die Omega-3-Fettsäuren machen einen großen Teil der Gehirnstruktur aus und helfen daher bei der Konzentration. Angefangen in der Schwangerschaft bis ins hohe Alter kann die Fettsäure DHA die Gehirnfunktion aufbauen und verbessern. Vor allem hippelige Schulkinder profitieren meist von einer Einnahme.
Was ist mit Lecithin, das ja auch seit Jahren gerne verwendet wird?
Lecithin (Phosphatidylcholin) ist kein einzelner Stoff, sondern ein komplexes Gemisch aus Fettsäuren, Phosphorsäure und Cholin und ist ein fundamentaler Baustein unseres Körpers: Jede einzelne unserer Zellmembranen – insbesondere die der Nerven- und Gehirnzellen – benötigt Lecithin, um elastisch, stabil und funktionstüchtig zu bleiben.
Außerdem wird Cholin in den wichtigsten Botenstoff für das zentrale Nervensystem umgewandelt: Acetylcholin. Es steuert die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen und ist maßgeblich für das Lernen, das Kurz- und Langzeitgedächtnis sowie die Konzentrationsfähigkeit verantwortlich. Nimmt der Acetylcholinspiegel ab – was im Zuge des natürlichen Alterungsprozesses häufig vorkommt –, kann dies zu spürbaren Gedächtnislücken führen.
Als Ergänzung sei noch der grüne Tee genannt, denn die Kombination aus dem Antioxidans EGCG und der Aminosäure L-Theanin schützt die Nerven und sorgt gleichzeitig für einen Zustand entspannter Wachsamkeit.
Was sollte man beachten, bevor man zu einem Präparat greift?
Zu allererst Ursachenforschung. Vergesslichkeit kann oft auch harmlose Ursachen wie Schlafmangel, Flüssigkeitsmangel oder anhaltenden Stress haben. Auch eine unentdeckte Schilddrüsenunterfunktion oder Depression kann dahinterstecken.
Pflanzliche Gedächtnishilfen wirken nicht sofort. Eine spürbare Verbesserung tritt meist erst nach einer regelmäßigen Einnahme von mindestens ein paar Wochen ein. Die Adaptogene helfen meist schon nach einigen Tagen.
Dann ist auch noch auf Wechselwirkungen zu achten: Insbesondere Ginkgo-Präparate können die Blutgerinnung beeinflussen. Wenn zusätzlich Medikamente eingenommen werden, sollte man sich unbedingt in der Apotheke beraten lassen und gegebenenfalls mit dem Arzt Rücksprache halten.
Mein Tipp: Ohne mentale Stimulation hilft kein Präparat. Das Gehirn daher immer wieder mit Neuem beschäftigen: Kreuzworträtsel oder tägliche Aufgaben mal ganz anders machen, das schafft neue Reize im Gehirn.
„Omega-3-Fettsäuren“
Am 15. Juli 2026 sprach Mag. pharm. Michaela Kittinger-Zöchling über „Omega-3-Fettsäuren“.
Omega-3-Fettsäuren sind lebensnotwendige Fette. Sie sind entzündungshemmend, wirken sich positiv auf das Herz-Kreislaufsystem aus und unterstützen die Gehirnfunktion bereits im Mutterleib bis hin ins hohe Alter. Da sie der Körper nicht selbst herstellen kann, müssen sie mit der Nahrung oder als Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden.
Omega-3-Frühstück
Es ist möglich, Omega-3-Fettsäuren bereits zum Frühstück zu sich zu nehmen, ohne Fisch essen zu müssen. Omega-3-Fettsäuren kommen auch in pflanzlichen Ölen vor. Einer der drei wichtigen Omega-3-Vertreter kommt in Leinöl, Walnussöl und Walnüssen, Chiasamen und Hanfsamen vor. Sie wirken durch antioxidative Effekte zellschützend.
Zum Frühstück also ein Esslöffel Lein- oder Walnussöl übers Brot oder Chiasamen, Walnüsse und Hanfsamen ins Müsli mischen. Mit Topfen oder Joghurt und gerade jetzt saisonal: Beeren, ergibt es ein Power-Frühstück.
Auch die Mischung macht es aus: am besten verschiedene Samen und Nüsse ins Müsli mischen und auch unter den pflanzlichen Ölen immer wieder wechseln. Der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren wird bei den Inhaltsstoffen gelistet und ganz wichtig: kaltgepresst und kalt verwenden, sonst werden die wertvollen Inhaltsstoffe zerstört.
Allerdings muss auch gesagt werden, dass damit nicht der gesamte tägliche Bedarf an Omega-3-Fettsäuren gedeckt wird. Denn zwei weitere wichtige Vertreter der Omega-3-Fettsäuren sind EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure). Diese haben den größten schützenden Effekt auf die Gefäße und der Körper kann sie im Gegensatz zu ALA sofort verwerten. Diese beiden Fettsäuren findet man nur in fettem Meeresfisch, also Lachs, Makrele und Hering. Auch wenn ein kleiner Teil aus pflanzlichen Ölen in DHA und EPA umgewandelt werden kann, decken Lein- und Walnussöl nicht den gesamten Bedarf an Omega-3-Fettsäuren ab.
Alternativ können daher Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren eingesetzt werden, die es auch in flüssiger Form gibt und auch gut in einem frisch gepressten Obst- und Gemüsesaft (Smoothie) oder mit einer Avocado als Aufstrich gemixt werden können.
Warum sind Omega-3-Fettsäuren so wichtig und gesund?
Omega-3-Fettsäuren sind Fette, die der Körper nicht selbst herstellen kann und daher mit der Nahrung oder als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen muss. Sie
- sind Bausteine für Zellmembranen (also Zellwände)
- halten Gefäße elastisch: vor allem wichtig bei hohem Blutdruck, wenn ein erhöhter Druck auf den Gefäßen lastet
- unterstützen die Herzgesundheit: helfen zu einer normalen Herzfunktion und spielen eine Rolle bei der Regulierung von Blutdruck und Blutfetten (Cholesterin)
- bauen Gehirn und Nerven auf: das Gehirn besteht zu einem Großteil aus Fetten
- sind für eine gute Sehkraft wichtig, denn sie sind ein wichtiger Bestandteil der Netzhaut
- Schwangerschaft: DHA fördert die Entwicklung des Gehirns, der Nerven und Augen im Mutterleib, daher wird in der Schwangerschaft zu einer Ergänzung von DHA geraten
Die drei wichtigsten Formen von Omega-3 sind ALA, EPA und DHA. ALA aus pflanzlichen Ölen hat vor allem eine zellschützende Wirkung. EPA und DHA aus Fisch oder Algen haben einen schützenden Effekt auf die Gefäße. EPA hat zusätzliche entzündungshemmende Eigenschaften und DHA wirkt positiv auf die Lern- und Gedächtnisfähigkeit.
Die Mischung macht gesund – warum Omega-3 ergänzen
Neben den bekannten Omega-3-Fettsäuren gibt es außerdem Omega-6- und Omega-9-Fettsäuren. Und hier ist das Verhältnis essentiell. Omega-9 haben ebenfalls einen positiven Effekt auf die Gesundheit und sind der Hauptbestandteil in Olivenöl, aber gemeinsam mit den Omega-3-Fettsäuren in vielen pflanzlichen Ölen enthalten.
Omega-6 haben dagegen nur einen mäßig positiven Effekt auf die Gesundheit, sie sind vor allem für das Immunsystem wichtig, haben aber auch entzündungsfördernde Eigenschaften und kommen vor allem in tierischem Fleisch vor.
Daher ist gerade bei einem erhöhten Fleischkonsum der Ausgleich mit Omega-3-Fettsäuren sehr wichtig, weil ein Überschuss an Omega-6 zu Entzündungsreaktionen führen kann, die durch Omega-3 aus Fisch ausgeglichen werden.
Welches sind die besten Quellen für Omega-3-Fettsäuren?
Fetter Fisch und pflanzliche Öle sind die besten Quellen für Omega-3-Fettsäuren. Pflanzliche Öle, hier vor allem Leinöl, Avocadoöl und Walnussöl, aber auch Walnüsse, Chiasamen und Hanfsamen enthalten die Omega-3-Fettsäure ALA, die als Antioxidans schützend auf die Zellen wirkt.
Die wichtigen entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) finden sich allerdings nur in fettem Fisch und nur ein sehr geringer Teil in pflanzlichen Ölen. Sie wirken positiv auf die Gefäße, den Cholesterinspiegel, den Blutdruck, aber auch auf das Gehirn und die Augen.
Daher wird für eine ausgewogene Ernährung 2-mal in der Woche Fisch auf dem Teller empfohlen. Möglichst fetter Fisch wie Lachs, Makrele, Hering und Sardellen.
Um den Bedarf an Omega-3-Fettsäuren zu decken, kann man auch auf Nahrungsergänzungsmittel greifen, die es in Kapselform, aber auch als flüssiges Öl gibt. Für Kinder gibt es Kaudragees, die den Geschmack von Fisch sehr übertönen.
Als vegane Quelle für Omega-3-Fettsäuren gibt es Algenöl. Auch hier sind die zwei wichtigen EPA und DHA in gleichem Maße enthalten, denn die Fische bekommen ihren Anteil an Omega-3 aus Mikroalgen. Diese rein pflanzliche Quelle ist ebenso erhältlich als Kapseln oder in Form flüssiger Öle.
Abschließende Tipps
Beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln ist auf den Gehalt von EPA und DHA zu achten – je nachdem, ob die Wirkung gegen Entzündungen sein soll (EPA) oder auf die Gehirnfunktion (DHA). Da Meeresfisch sehr oft mit Schwermetallen belastet ist, zeichnet sich eine gute Qualität vor allem durch die Reinheit von Schwermetallen aus. Und last but not least sollte auch der Fischbestand nicht darunter leiden. Am besten in der Apotheke beraten lassen.
Michaela Kittinger-Zöchlings Gedanken zum „Omega-3-Frühstück“ können Sie direkt auf Radio NÖ online (öffnet in neuem Tab) nachlesen.
Bei Bedarf fragen Sie in Ihrer Apotheke nach weiteren Informationen über Arzneimittel, Wirkungen und Nebenwirkungen.